Fast 60 Prozent aller Gesprächsrunden fanden in 2020 mehrsprachig bzw. in einer anderen Sprache als Deutsch statt. Die Möglichkeit, sich in seiner Familiensprache auszutauschen, erleichtert vielen Eltern den Zugang zu diesem Angebot der Elternbildung. Die 80 Moderator*innen boten Talks in fünfzehn Sprachen an.

Elterntalk NRW bietet aufgrund der konzeptionellen Ausrichtung auch für Familien, die Zuflucht in NRW gefunden haben, die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern über Erziehungsfragen auszutauschen.

Für Eltern, die flüchten mussten, ist das Ankommen in einem neuen Land eine große Lebensaufgabe. Der Erziehungsalltag in Deutschland unterscheidet sich oftmals grundlegend von dem bisher Gelernten, es gibt Werte- und Kulturunterschiede, mit denen Eltern plötzlich allein umgehen müssen. In 2020 wurde an den Standorten Bonn, Recklinghausen und Hagen auch mit Eltern mit Fluchtgeschichte getalkt.

Somit wurden die Erfahrungen aus dem Vorjahr ausgeweitet. Der Bildungshintergrund der geflüchteten Eltern macht einen wesentlichen Unterschied. Eltern, die gut gebildet sind, fällt es oft leicht, bei Talks mit hier aufgewachsenen Eltern mitzumachen. Sie können schnell aufnehmen und sich gegebenenfalls an die Gegebenheiten in Deutschland anpassen. Andere Eltern mit
Fluchterfahrung, die weniger Bildung genossen haben, benötigen hingegen grundlegendere Informationen, etwa zu unterschiedlichen Erziehungsstilen.

Zudem haben sie oft großen Redebedarf über Erziehungsthemen hinaus. Auch für sie bietet sich Elterntalk an, denn sie können von den hier schon länger lebenden Eltern gut profitieren. Wichtig sind für sie häufig niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten mit anderen Eltern und leicht erreichbare Anlaufstellen. Durch die außergewöhnlich herausfordernde Lebenssituation geflüchteter Mütter und Väter verlangt die Durchführung des Formats Elterntalk an manchen Punkten eine andere Vorgehensweise.

Die Besonderheiten solcher Talks wurden evaluiert. Für das kommende Jahr ist eine Schulung vorgesehen, speziell für Standorte, die sich dieser Zielgruppe gezielt zuwenden möchten, und für Moderator*innen, die mit Eltern mit Fluchterfahrung talken. Diese Moderator*innen gilt es, individuell zu stärken, damit sie wissen, wo ihre Grenzen liegen, diese benennen und gleichzeitig Hilfe bieten können.

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